Otto Weidts Jugendjahre

Otto Weidt wird 1883 in Rostock geboren und wächst in armen Ver­hältnissen auf. 1888 zieht die Familie nach Berlin, wo Otto Weidt nach dem Abschluss der Volks­schule den Beruf des Malers und Vergolders erlernt.

1903 geht Otto Weidt auf Reisen und knüpft in Hamburg erste Kontakte zu anarchistischen Kreisen. Zurück in Berlin wird er Redakteur der Zeitung „Der Anarchist“ und engagiert sich einige Jahre lang politisch sehr aktiv. Die Politische Polizei beobachtet die Arbeit der anarch­istischen Gruppierungen. Auch Otto Weidt wird von ihr überwacht. Er wird mehrmals angeklagt und 1907 wegen vermeintlicher Kontakte zu russischen anarch­istischen Kreisen zu einer einmonatigen Haftstrafe verurteilt. Um 1910 wendet sich Otto Weidt vom organisierten Anarchismus ab. Trotzdem prägen ihn diese Überzeugungen zeitlebens und er bezeichnet sich selbst als „individual­istischen Anarchisten“.

Otto Weidt heiratet 1913 die gebürtige Berlinerin Martha Koniezcny, mit der er zwei Söhne hat. Die Ehe wird nach drei Jahren geschieden. Im Ersten Weltkrieg gelingt es dem überzeugten Pazifisten, sich infolge eines Ohren­leidens dem Dienst an der Waffe zu entziehen. Otto Weidt wird als Kranken­pfleger in einem Lazarett in Küstrin fernab der Front eingesetzt. Nach seiner Entlassung aus dem Militär­dienst heiratet er ein zweites Mal und macht sich als Tapezierer und Dekorateur in Berlin selbständig.

ANARCHISMUS

Anarchismus ist eine politische und soziale Bewegung, die im 19. Jahrhundert entsteht. Ihr Ideal ist eine Gesellschaft, in der Menschen herrschaftsfrei zusammenleben. Berlin gilt zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Hochburg des deutschen Anarchismus. Unterschiedliche Strömungen teilen als Hauptziele Antimilitarismus, Antiparlamentarismus und fordern den revolu­tio­nären Generalstreik, sind aber untereinander stark zerstritten. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges verliert der Anarchismus als politische Bewegung an Bedeutung.