Erich Frey

Erich Frey wird 1889 in Berlin geboren. Er ist leitender Angestellter einer Berliner Bank und dient als Soldat im Ersten Weltkrieg. 1916 heiratet er Elsbeth Zerkowski. Die Töchter Liselott und Marie Anne kommen 1918 und 1922 zur Welt. Erich Frey wird 1935 als Jude zwangs­weise pensioniert und ist anschließend bis 1940 als kauf­männischer Angestellter einer Hausverwaltung tätig. Den Töchtern gelingt 1939 die Flucht nach England und in das britische Mandatsgebiet Palästina. Dem Vater wird die Ausreise nach Palästina verweigert, weil er inzwischen fast vollständig erblindet ist. Im September 1940 beginnt Erich Frey bei Otto Weidt eine Ausbildung zum Bürsten­einzieher. Er hofft, mit dem neu erlernten Beruf auch im Ausland arbeiten zu können.

Anfang März 1943 beschließt das Ehepaar Frey unterzutauchen. Zunächst verstecken sich die Freys in einem Keller der Blinden­werkstatt in der Rosenthaler Straße, später in einer Gartenlaube. Anfang 1944 finden sie Zuflucht bei der befreundeten Familie Brauer am Bundesratufer 4 in Berlin-Moabit, wo zu verschiedenen Zeiten insgesamt neun Jüdinnen und Juden versteckt sind. Anfang April 1944 wird das Versteck von der Gestapo entdeckt. Alle werden festgenommen und deportiert. Am 19. April 1944 wird das Ehepaar Frey in das Ghetto Theresienstadt und am 15. Mai 1944 gemeinsam mit der Familie Licht in das Vernichtungs­lager Auschwitz-Birkenau verschleppt. Dort werden Erich und Elsbeth Frey ermordet.

 

In einem 1942 verfassten Bericht an seine Töchter beschreibt Erich Frey seine Tätigkeit in der Blinden­werkstatt Otto Weidt. Die Jüdische Gemeinde vermittelt ihm dort eine Umschulung zum Bürsten­einzieher:

„Am Sonnabend, 14. September 1940, 8 Uhr früh begann der Kursus, den wir in seiner Werkstatt gleichsam als Lehrlinge absolvierten, mit der Aussicht der späteren Einstellung als Arbeiter in diesem Beruf bei ihm. Nun, trotzdem meine Pfoten noch nie Hand­werks­arbeit geleistet hatten, erlernte ich doch diesen Beruf und wurde auch weiterhin behalten. Ich arbeite auch jetzt noch dort und verfertigte Schrubber, Scheuerbürsten, Straßenbesen usw., aber auch Ross­haarbesen und -handfeger.“

 

Fotos und Dokumente