Die Familie Horn
Der 1902 in Polen geborene Chaim Horn siedelt sich um 1920 in Brandenburg an der Havel an. Dort heiratet er mit 23 Jahren Machla Stanger. 1926 kauft das Paar eine Bürstenfabrik und führt diese als Brandenburger Bürsten-Industrie. Im selben Jahr kommt ihr Sohn Max zur Welt, vier Jahre später ihre Tochter Ruth. Im Zuge der wirtschaftlichen Entrechtung der Jüdinnen und Juden in Deutschland muss das Ehepaar seine Fabrik 1939 weit unter Wert verkaufen. Ihre Auswanderungsbemühungen scheitern. Die Familie zieht nach Berlin.
Der Vater Chaim leitet die Zurichterei der Blindenwerkstatt, in der Borsten und Rosshaar aufbereitet werden. Sein Sohn Max ist hier als Lehrling beschäftigt. Die Familie lebt in den ehemaligen Räumen der Blindenwerkstatt in der Großbeerenstraße 92 zur Untermiete. Als Chaim Horn Anfang 1943 die Deportation seiner Familie befürchtet, bittet er Otto Weidt um Hilfe. Weidt stellt der Familie Horn den fensterlosen letzten Raum seiner Werkstatt als Versteck zur Verfügung. Die Tür wird durch einen Kleiderschrank verstellt. Das Versteck dient hauptsächlich als Schlafplatz, tagsüber arbeiten Vater und Sohn Horn in der Werkstatt. Anfang Oktober 1943 erfährt die Gestapo durch einen Informanten von dem Versteck der Familie Horn. Bei einer Razzia in den Werkstatträumen werden Chaim, Machla, Max und Ruth Horn festgenommen, am 14. Oktober 1943 nach Auschwitz-Birkenau deportiert und dort ermordet. Otto Weidt wird danach von der Gestapo in der Burgstraße 28 verhört. Wahrscheinlich wird er nicht bestraft, da er mehrfach Gestapo-Beamte bestochen hat.