Alice Licht
Alice Licht wächst als Tochter einer jüdischen Familie in Berlin-Tiergarten auf. Da sie als Jüdin ihre Schule 1933 ohne Abitur verlassen muss, kann sie das geplante Medizinstudium nicht aufnehmen. Sie absolviert eine Ausbildung als Sekretärin und arbeitet ab 1938 für den Hilfsverein der Juden in Deutschland.
Ab Frühjahr 1941 muss sie Zwangsarbeit leisten, unter anderem in der Kunstseidefabrik ACETA AG der I.G. Farbenindustrie AG. Sie kann ihre Entlassung erreichen, indem sie ein Magengeschwür vortäuscht. Otto Weidt stellt sie im Juni 1941 als Sekretärin ein.
Im Februar 1943 versteckt Otto Weidt Alice Licht sowie ihre Eltern Käthe und Georg Licht in einem Lagerraum in Berlin-Mitte. Als die Blindenwerkstatt im Oktober 1943 verraten wird, nimmt die Gestapo auch Alice Licht fest. Ihre Eltern stellen sich daraufhin der Gestapo. Die Familie wird in das Ghetto Theresienstadt und sechs Monate später in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert.
Als Otto Weidt davon erfährt, reist er unter dem Vorwand nach Auschwitz, der Verwaltung des Lagers seine Bürsten zum Kauf anzubieten. Zu dieser Zeit ist Alice Licht bereits in das Außenlager Christianstadt des KZ Groß-Rosen verlegt worden. Otto Weidt reist ihr nach. Über einen polnischen Arbeiter kann er ihr mitteilen, dass er in der Nähe des Lagers Zivilkleidung, Geld und Medikamente für sie hinterlegt hat.
Als das Lager angesichts der heranrückenden Roten Armee Ende Januar 1945 aufgelöst wird, gelingt Alice Licht auf dem Todesmarsch die Flucht. Alice Licht erlebt das Kriegsende in der Wohnung von Otto und Else Weidt in Berlin. Im Sommer 1946 emigriert sie in die USA.
„Einer dieser Menschen war Otto Weidt, ein aufrichtiger und edelmütiger Charakter, furchtlos und Kämpfer für Gerechtigkeit, selbstlos und nur von dem einen Wunsche beseelt, den Armen, Bedrängten und Verfolgten zu helfen und ihr jeweiliges Los zu erleichtern.“
Alice Brenner, geb. Licht, in einem Brief an die israelische Gedenkstätte Yad Vashem, 4. Oktober 1962