Otto Weidt
gest. 22.12.1947, Berlin
Otto Weidt wird 1883 in Rostock geboren und wächst in armen Verhältnissen auf. 1888 zieht die Familie nach Berlin, wo Otto Weidt den Beruf des Malers und Vergolders erlernt. In seiner Jugend organisiert er sich in anarchistischen Kreisen, diese Überzeugungen prägen ihn zeitlebens und er bezeichnet sich selbst als „individualistischen Anarchisten“. 1936 heiratet er in dritter Ehe die 1902 geborene Else Nast.
Nach seiner fast vollständigen Erblindung wird Otto Weidt Bürstenmacher und eröffnet 1939 gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Gustav Kremmert die Blindenwerkstatt Otto Weidt, die sich seit 1940 in der Rosenthaler Straße 39 befindet.
Otto Weidt ist entschiedener Gegner des Nationalsozialismus. Er beschäftigt hauptsächlich Juden und Jüdinnen. Er tut alles, um ihnen das Leben unter dem nationalsozialistischen Regime zu erleichtern. Als er sie auch mit List und Bestechungen nicht mehr vor der Deportation bewahren kann, besorgt er Verstecke für einige von ihnen. Mit seiner Hilfe können mehrere Menschen überleben. Otto Weidt stirbt im Dezember 1947 im Alter von 64 Jahren.
Dokumente

Robert Gerö an Otto Weidt, 16. Januar 1944Inhalt: Alice Licht lernt Robert Gerö vermutlich zwischen September 1939 und August 1940 kennen, als sie im Auftrag des „Hilfsvereins“ dienstlich mehrfach nach Wien fährt. Robert Gerö ist später einer der Juden des Wiener "Sonderdienstes", die mit Alois Brunner Mitte November 1942 nach Berlin kommen, als nach einer Unterschlagungsaffäre in der Gestapoleitstelle Berlin viele Beamte ihre Posten räumen müssen. Nach Gerös Ankunft in Berlin setzt sich Alice Licht sofort mit ihm in Verbindung. In der Blindenwerkstatt trifft er mehrfach Otto Weidt, Alice Licht und Inge Deutschkron, warnt vor Razzien und Deportationen und hilft so der Werkstatt. Doch ab Mitte Januar 1943 kann er sie nicht länger schützen, woraufhin Lichts und Deutschkrons untertauchen. Robert Gerö ist vermutlich nur 27 Tage in Berlin.Umschrift: Theresienstadt, 16 Jänner 1944. Mein lieber Papi! Ich bestätige dankend den Empfang Ihres (Deines) Paketes vom Jänner 1944. Robert Gerö Unterschrift. Quelle: Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum

Robert Gerö an Otto Weidt, 16. Januar 1944Inhalt: Alice Licht lernt Robert Gerö vermutlich zwischen September 1939 und August 1940 kennen, als sie im Auftrag des „Hilfsvereins“ dienstlich mehrfach nach Wien fährt. Robert Gerö ist später einer der Juden des Wiener "Sonderdienstes", die mit Alois Brunner Mitte November 1942 nach Berlin kommen, als nach einer Unterschlagungsaffäre in der Gestapoleitstelle Berlin viele Beamte ihre Posten räumen müssen. Nach Gerös Ankunft in Berlin setzt sich Alice Licht sofort mit ihm in Verbindung. In der Blindenwerkstatt trifft er mehrfach Otto Weidt, Alice Licht und Inge Deutschkron, warnt vor Razzien und Deportationen und hilft so der Werkstatt. Doch ab Mitte Januar 1943 kann er sie nicht länger schützen, woraufhin Lichts und Deutschkrons untertauchen. Robert Gerö ist vermutlich nur 27 Tage in Berlin.Umschrift: Theresienstadt, 16 Jänner 1944. Mein lieber Papi! Ich bestätige dankend den Empfang Ihres (Deines) Paketes vom Jänner 1944. Robert Gerö Unterschrift. Quelle: Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum

Hulda Basch an Otto Weidt, 13. November 1943Inhalt: Die 1883 im ostpreußischen Marggrabowa geborene Hulda Basch, geborene Leffkowitz, wird am 3. Oktober 1942 mit dem dritten großen Alterstransport von Berlin nach Theresienstadt deportiert. Erst dreizehn Monate später schreibt sie ihre erste Karte. Da sich auf den Postkarten die Schwiegertochter Ilse Basch als „Nichte“ und Werner Basch als „Neffe“ Otto Weidts ausgaben, wird sie, ebenfalls aus Deckungsgründen, seine „Schwägerin“. Hulda Basch bedankt sich für den „wundervollen Sirup“. Diesen hat Otto Weidt einem Vertreter am Monbijou-Park abkaufen können. Er schickt ihn nicht nur nach Theresienstadt, sondern verteilt ihn auch an die in seiner Werkstatt arbeitenden Juden und Jüdinnen. Diese zensierte Postkarte – erkennbar an der mit Bleistift geschriebenen Zahl „18“ auf der Anschriftenseite links unten – ist drei Monate unterwegs. Erst am 15. Februar 1944 wird sie in Berlin N 4, im Postamt am Stettiner Bahnhof (heute Nordbahnhof), gestempelt. Im Alter von 61 Jahren stirbt Hulda Basch am 26. April 1944 in Theresienstadt.Umschrift: Theresienstadt, den 13. November 1943. Lieber Otto! Ich kann Dir mitteilen, dass ich und meine Kinder gesund sind. Gleichzeitig habe recht herzlichen Dank für das an mich und das an Werner gesandte Paket, deren gesamter Inhalt, insbesondere der wundervolle Sirup, uns sehr erfreute, zumal Du trotz vieler Arbeit nicht Mühe noch Kosten gescheut hast. Grüße mir bitte Grete Lagemann, NO 55, Metzer-Straße (Adressbuch), abends erreichst Du sie, sie soll öfters von sich hören lassen, sowie alle sonstigen Freunde, die nach uns fragen, was ich nicht zu vergessen bitte. Lasse auch Du recht bald wieder von Dir hören, und indem ich Euch wohlauf hoffe, nehmt Ihr Alle herzliche Grüße von uns Allen in alter Treue Deine dankbare Schwägerin Hulda Basch Quelle: Yad Vashem, Jerusalem

Hulda Basch an Otto Weidt, 13. November 1943Inhalt: Die 1883 im ostpreußischen Marggrabowa geborene Hulda Basch, geborene Leffkowitz, wird am 3. Oktober 1942 mit dem dritten großen Alterstransport von Berlin nach Theresienstadt deportiert. Erst dreizehn Monate später schreibt sie ihre erste Karte. Da sich auf den Postkarten die Schwiegertochter Ilse Basch als „Nichte“ und Werner Basch als „Neffe“ Otto Weidts ausgaben, wird sie, ebenfalls aus Deckungsgründen, seine „Schwägerin“. Hulda Basch bedankt sich für den „wundervollen Sirup“. Diesen hat Otto Weidt einem Vertreter am Monbijou-Park abkaufen können. Er schickt ihn nicht nur nach Theresienstadt, sondern verteilt ihn auch an die in seiner Werkstatt arbeitenden Juden und Jüdinnen. Diese zensierte Postkarte – erkennbar an der mit Bleistift geschriebenen Zahl „18“ auf der Anschriftenseite links unten – ist drei Monate unterwegs. Erst am 15. Februar 1944 wird sie in Berlin N 4, im Postamt am Stettiner Bahnhof (heute Nordbahnhof), gestempelt. Im Alter von 61 Jahren stirbt Hulda Basch am 26. April 1944 in Theresienstadt.Umschrift: Theresienstadt, den 13. November 1943. Lieber Otto! Ich kann Dir mitteilen, dass ich und meine Kinder gesund sind. Gleichzeitig habe recht herzlichen Dank für das an mich und das an Werner gesandte Paket, deren gesamter Inhalt, insbesondere der wundervolle Sirup, uns sehr erfreute, zumal Du trotz vieler Arbeit nicht Mühe noch Kosten gescheut hast. Grüße mir bitte Grete Lagemann, NO 55, Metzer-Straße (Adressbuch), abends erreichst Du sie, sie soll öfters von sich hören lassen, sowie alle sonstigen Freunde, die nach uns fragen, was ich nicht zu vergessen bitte. Lasse auch Du recht bald wieder von Dir hören, und indem ich Euch wohlauf hoffe, nehmt Ihr Alle herzliche Grüße von uns Allen in alter Treue Deine dankbare Schwägerin Hulda Basch Quelle: Yad Vashem, Jerusalem

Hulda Basch an Otto Weidt, 26. Februar 1944Inhalt: Werner Basch nutzt die vierteljährliche Schreibberechtigung seiner Mutter Hulda Basch, um nachdrücklich darauf hinzuweisen, dass die drei Baschs dringend auf weitere „Liebesgabenpakete“ hoffen. Otto Weidt, der keinen Bruder in „Essen“ hat, erfährt, worauf Hulda, Ilse und Werner Basch in Theresienstadt warten – auf Essen. Als diese Karte am 4. Mai 1944 in Berlin-Charlottenburg 2 gestempelt wird, ist Hulda Basch seit acht Tagen nicht mehr am Leben. Einundsechzigjährig starb sie am 26. April 1944 in Theresienstadt.Umschrift: Theresienstadt, den 26. Febr. 1944. Lieber guter Otto! Mit diesen Zeilen kann ich Dir mitteilen, dass ich und meine Kinder Werner und Ille [Ilse] gesund sind. Leider haben wir von Dir schon lange keine Nachricht mehr und sind sehr in Sorge um Dich. Lasse doch bitte, wie versprochen, so häufig wie möglich von Dir hören, so wie Ali [Alice Licht] und Familie von Deinem Bruder aus Essen auch regelmässig Post hat und wir bitten Dich, diese Mühe trotz vieler Arbeit und Sorgen nicht zu scheuen. In der Hoffnung, dass diese Karte Dich bei bestem Wohlsein erreicht, grüssen wir Dich und all Deine Verwandten herzlichst Deine Hulda Basch Quelle: Yad Vashem, Jerusalem

Hulda Basch an Otto Weidt, 26. Februar 1944Inhalt: Werner Basch nutzt die vierteljährliche Schreibberechtigung seiner Mutter Hulda Basch, um nachdrücklich darauf hinzuweisen, dass die drei Baschs dringend auf weitere „Liebesgabenpakete“ hoffen. Otto Weidt, der keinen Bruder in „Essen“ hat, erfährt, worauf Hulda, Ilse und Werner Basch in Theresienstadt warten – auf Essen. Als diese Karte am 4. Mai 1944 in Berlin-Charlottenburg 2 gestempelt wird, ist Hulda Basch seit acht Tagen nicht mehr am Leben. Einundsechzigjährig starb sie am 26. April 1944 in Theresienstadt.Umschrift: Theresienstadt, den 26. Febr. 1944. Lieber guter Otto! Mit diesen Zeilen kann ich Dir mitteilen, dass ich und meine Kinder Werner und Ille [Ilse] gesund sind. Leider haben wir von Dir schon lange keine Nachricht mehr und sind sehr in Sorge um Dich. Lasse doch bitte, wie versprochen, so häufig wie möglich von Dir hören, so wie Ali [Alice Licht] und Familie von Deinem Bruder aus Essen auch regelmässig Post hat und wir bitten Dich, diese Mühe trotz vieler Arbeit und Sorgen nicht zu scheuen. In der Hoffnung, dass diese Karte Dich bei bestem Wohlsein erreicht, grüssen wir Dich und all Deine Verwandten herzlichst Deine Hulda Basch Quelle: Yad Vashem, Jerusalem

Werner Basch an Otto Weidt, 30. Dezember 1943Inhalt: Werner Basch bestätigt mit dieser Karte vom vorletzten Tag des Jahres 1943 ein Päckchen, das Otto Weidt am 15. Dezember aus Berlin geschickt hat. Zu dieser Zeit leben im Ghetto Theresienstadt 34.655 Gefangene, darunter knapp 3.400 Kinder. Diese Karte wird auf dem Postamt in Bauschowitz mit einer 30 Heller-Briefmarke versehen. Datum des Poststempels ist der 13. Januar 1944.Umschrift: Theresienstadt, am 30. Dezember 1943. Lieber Onkel Otto! Ich bestätige dankend den Empfang Deines Paketes vom 15. Dezember 1943. Werner Basch Unterschrift.

Werner Basch an Otto Weidt, 30. Dezember 1943Inhalt: Werner Basch bestätigt mit dieser Karte vom vorletzten Tag des Jahres 1943 ein Päckchen, das Otto Weidt am 15. Dezember aus Berlin geschickt hat. Zu dieser Zeit leben im Ghetto Theresienstadt 34.655 Gefangene, darunter knapp 3.400 Kinder. Diese Karte wird auf dem Postamt in Bauschowitz mit einer 30 Heller-Briefmarke versehen. Datum des Poststempels ist der 13. Januar 1944.Umschrift: Theresienstadt, am 30. Dezember 1943. Lieber Onkel Otto! Ich bestätige dankend den Empfang Deines Paketes vom 15. Dezember 1943. Werner Basch Unterschrift.

Werner Basch an Otto Weidt, 20. Januar 1944Inhalt: Ab Mai 1943 darf jeder Häftling nur alle drei Monate eine Postkarte absenden. Wegen der gestiegenen Häftlingszahl werden die Postkarten von den Blockältesten oder Gebäudeältesten ausgegeben. Werner Basch, der hier die Verbindung "Onkel – Neffe" nur zum Schein verwendet, nutzt im Januar 1944 seine Schreibberechtigung, um Otto Weidt nachdrücklicher um Päckchen zu bitten. Seine Bemerkung, er hätte seit Monaten nichts mehr von ihm gehört, mag zutreffen, denn die letzte bekannte Bestätigungskarte datiert den 30. Dezember 1943. Diese Postkarte ist zensiert worden, erkennbar an der mit Bleistift geschriebenen "26" auf der Rückseite links unten. Sie gelangt in Berlin zur Reichsvereinigung der Juden in Deutschland, die sie frankiert und mit dem Stempel "Rückantwort nur auf Postkarten in deutscher Sprache" versieht. Ein*e Mitarbeiter*in wirft sie in Berlin-Charlottenburg 2 in den Postkasten.Umschrift: Theresienstadt, den 20. Januar 1944. Lieber Onkel Otto! Ich schätze Dich im Besitz meiner diversen Karten und kann Dir mit diesen Zeilen mitteilen, dass ich und meine Familie gesund bin, was ich auch von Dir erhoffe. Leider habe ich von Dir seit Monaten nichts mehr gehört, während ich weiss, dass Ali regelmässig von Dir Post hat. Ich bin über diese Tatsache sehr betrübt, da ich mir keinen Grund denken kann, dass Du mich ganz vergessen hast, oder ist die Post an Ali und Familie immer für mich mitbestimmt? Auf jeden Fall würde ich mich sehr freuen, von Dir lieber direkt zu hören, soweit es Deine Zeit und Sorgen zulassen. Für heute verbleibe ich mit herzlichen Grüßen von uns Allen Dein Neffe Werner Basch Quelle: Yad Vashem, Jerusalem

Werner Basch an Otto Weidt, 20. Januar 1944Inhalt: Ab Mai 1943 darf jeder Häftling nur alle drei Monate eine Postkarte absenden. Wegen der gestiegenen Häftlingszahl werden die Postkarten von den Blockältesten oder Gebäudeältesten ausgegeben. Werner Basch, der hier die Verbindung "Onkel – Neffe" nur zum Schein verwendet, nutzt im Januar 1944 seine Schreibberechtigung, um Otto Weidt nachdrücklicher um Päckchen zu bitten. Seine Bemerkung, er hätte seit Monaten nichts mehr von ihm gehört, mag zutreffen, denn die letzte bekannte Bestätigungskarte datiert den 30. Dezember 1943. Diese Postkarte ist zensiert worden, erkennbar an der mit Bleistift geschriebenen "26" auf der Rückseite links unten. Sie gelangt in Berlin zur Reichsvereinigung der Juden in Deutschland, die sie frankiert und mit dem Stempel "Rückantwort nur auf Postkarten in deutscher Sprache" versieht. Ein*e Mitarbeiter*in wirft sie in Berlin-Charlottenburg 2 in den Postkasten.Umschrift: Theresienstadt, den 20. Januar 1944. Lieber Onkel Otto! Ich schätze Dich im Besitz meiner diversen Karten und kann Dir mit diesen Zeilen mitteilen, dass ich und meine Familie gesund bin, was ich auch von Dir erhoffe. Leider habe ich von Dir seit Monaten nichts mehr gehört, während ich weiss, dass Ali regelmässig von Dir Post hat. Ich bin über diese Tatsache sehr betrübt, da ich mir keinen Grund denken kann, dass Du mich ganz vergessen hast, oder ist die Post an Ali und Familie immer für mich mitbestimmt? Auf jeden Fall würde ich mich sehr freuen, von Dir lieber direkt zu hören, soweit es Deine Zeit und Sorgen zulassen. Für heute verbleibe ich mit herzlichen Grüßen von uns Allen Dein Neffe Werner Basch Quelle: Yad Vashem, Jerusalem

Robert Gerö an Otto Weidt, 16. Januar 1944Inhalt: Als nach einer Unterschlagungsaffäre viele Beamte der Gestapoleitstelle Berlin ihre Posten räumen müssen, sollen Mitte November 1942 Alois Brunner und weitere Wiener Gestapo-Funktionäre die Deportationen aus Berlin zabschließen. Sie bringen auch drei Wiener Juden mit, die dort im „Sonderdienst“ bei den Verschleppungen mitgewirkt haben. Zu diesen drei Wiener Juden gehört der 1904 in Leobersdorf bei Wien geborene Robert Gerö. Alice Licht lernt ihn vermutlich zwischen September 1939 und August 1940 kennen, als sie im Auftrag des „Hilfsvereins“ dienstlich mehrfach nach Wien fährt. Nach Gerös Ankunft in Berlin setzt sie sich sofort mit ihm in Verbindung. In der Blindenwerkstatt trifft er mehrfach Otto Weidt, Alice Licht und Inge Deutschkron. Er verspricht, die Deportation der Familien Licht und Deutschkron so lange es geht hinauszuzögern. Mitte Januar 1943 jedoch muss er den beiden Frauen mitteilen, dass er sie nicht länger schützen kann. Alice Licht und ihre Eltern tauchen in der Neanderstraße 12 unter, Inge Deutschkron versteckt sich mit ihrer Mutter bei Freund*innen.Umschrift: Theresienstadt, am 16. Jänner 1944. Mein lieber Papi! Ich bestätige dankend den Empfang Ihres (Deines) Paketes von Jänner 1944. Robert Gerö Unterschrift.

Robert Gerö an Otto Weidt, 16. Januar 1944Inhalt: Als nach einer Unterschlagungsaffäre viele Beamte der Gestapoleitstelle Berlin ihre Posten räumen müssen, sollen Mitte November 1942 Alois Brunner und weitere Wiener Gestapo-Funktionäre die Deportationen aus Berlin zabschließen. Sie bringen auch drei Wiener Juden mit, die dort im „Sonderdienst“ bei den Verschleppungen mitgewirkt haben. Zu diesen drei Wiener Juden gehört der 1904 in Leobersdorf bei Wien geborene Robert Gerö. Alice Licht lernt ihn vermutlich zwischen September 1939 und August 1940 kennen, als sie im Auftrag des „Hilfsvereins“ dienstlich mehrfach nach Wien fährt. Nach Gerös Ankunft in Berlin setzt sie sich sofort mit ihm in Verbindung. In der Blindenwerkstatt trifft er mehrfach Otto Weidt, Alice Licht und Inge Deutschkron. Er verspricht, die Deportation der Familien Licht und Deutschkron so lange es geht hinauszuzögern. Mitte Januar 1943 jedoch muss er den beiden Frauen mitteilen, dass er sie nicht länger schützen kann. Alice Licht und ihre Eltern tauchen in der Neanderstraße 12 unter, Inge Deutschkron versteckt sich mit ihrer Mutter bei Freund*innen.Umschrift: Theresienstadt, am 16. Jänner 1944. Mein lieber Papi! Ich bestätige dankend den Empfang Ihres (Deines) Paketes von Jänner 1944. Robert Gerö Unterschrift.

Robert Gerö an Otto Weidt, 23. März 1944Inhalt: Ende Januar 1943 verlässt Alois Brunner Berlin, um die Deportation von mehr als 45.000 Jüdinnen und Juden aus dem griechischen Saloniki in die Vernichtungslager zu koordinieren. Robert Gerö muss nach Wien zurückkehren, wird selbst am 2. April 1943 nach Theresienstadt deportiert und von dort achtzehn Monate später, am 29. September 1944, nach Auschwitz überstellt. Als „Arbeitsfähiger“ gelangt er zunächst ins Konzentrationslager Sachsenhausen, dann nach Mauthausen, wo er befreit wird. Später wandert er nach Argentinien aus. Robert Gerö nennt Otto Weidt auf den überlieferten Karten "Mein lieber Papi!" und "Guter Papi!". Möglicherweise kann dies seinen persönlichen Empfindungen entsprochen haben, schließlich ist er in der Blindenwerkstatt – vermutlich mit Berechnung – trotz seiner Funktion als „Oberordner“ bei den Deportationen freundschaftlich und warmherzig aufgenommen worden. Alice Licht schreibt am 28. April 1944 aus Theresienstadt an Gustav Held: "Robert hat sich auch hier als guter Freund erwiesen …".Umschrift: Theresienstadt, 23. März 1944. Guter Papi! Ich bestätige danken den Empfang Eures (Deines) Paketes vom 8. März 1944 „Danke für Alles!“ Robert Gerö Unterschrift.

Robert Gerö an Otto Weidt, 23. März 1944Inhalt: Ende Januar 1943 verlässt Alois Brunner Berlin, um die Deportation von mehr als 45.000 Jüdinnen und Juden aus dem griechischen Saloniki in die Vernichtungslager zu koordinieren. Robert Gerö muss nach Wien zurückkehren, wird selbst am 2. April 1943 nach Theresienstadt deportiert und von dort achtzehn Monate später, am 29. September 1944, nach Auschwitz überstellt. Als „Arbeitsfähiger“ gelangt er zunächst ins Konzentrationslager Sachsenhausen, dann nach Mauthausen, wo er befreit wird. Später wandert er nach Argentinien aus. Robert Gerö nennt Otto Weidt auf den überlieferten Karten "Mein lieber Papi!" und "Guter Papi!". Möglicherweise kann dies seinen persönlichen Empfindungen entsprochen haben, schließlich ist er in der Blindenwerkstatt – vermutlich mit Berechnung – trotz seiner Funktion als „Oberordner“ bei den Deportationen freundschaftlich und warmherzig aufgenommen worden. Alice Licht schreibt am 28. April 1944 aus Theresienstadt an Gustav Held: "Robert hat sich auch hier als guter Freund erwiesen …".Umschrift: Theresienstadt, 23. März 1944. Guter Papi! Ich bestätige danken den Empfang Eures (Deines) Paketes vom 8. März 1944 „Danke für Alles!“ Robert Gerö Unterschrift.

Alice Käte Licht an Bootsch bei Otto Weidt, 12. April 1944Inhalt: Alice Licht bestätigt einer uns heute unbekannten "Frau Bootsch" zwei Päckchen vom 13. April und je eines vom 15. und 16. April 1944. Etwas seltsam ist das Datum der Karte: 12. April 1944, das eigentlich vor dem Erhalt der Päckchen liegt. Vermutlich meint Alice Licht den 21. oder 22. April. Alice Licht fügt ihrem Namen den Vornamen ihrer Mutter Käthe als Gruß und Lebenszeichen hinzu. Diese zensierte Karte – der*die Zensor*in hinterlässt eine "30" auf der Anschriftenseite – wird erst vier Wochen später, am 11. Mai 1944, auf dem Postamt in Prag 2 gestempelt.Umschrift: Theresienstadt, am 12. April 1944. Meine Einzigen! Ich bestätige hiermit den Empfang Ihres (Deines) Paketes vom 2 x 13., 15.[,] 16.IV. 1944. Eure Pakete sind alle bestens in unserem Besitz. Bleibt nur gesund und seid innigst geküsst. Alice Käte Licht Unterschrift. Quelle: Yad Vashem, Jerusalem

Alice Käte Licht an Bootsch bei Otto Weidt, 12. April 1944Inhalt: Alice Licht bestätigt einer uns heute unbekannten "Frau Bootsch" zwei Päckchen vom 13. April und je eines vom 15. und 16. April 1944. Etwas seltsam ist das Datum der Karte: 12. April 1944, das eigentlich vor dem Erhalt der Päckchen liegt. Vermutlich meint Alice Licht den 21. oder 22. April. Alice Licht fügt ihrem Namen den Vornamen ihrer Mutter Käthe als Gruß und Lebenszeichen hinzu. Diese zensierte Karte – der*die Zensor*in hinterlässt eine "30" auf der Anschriftenseite – wird erst vier Wochen später, am 11. Mai 1944, auf dem Postamt in Prag 2 gestempelt.Umschrift: Theresienstadt, am 12. April 1944. Meine Einzigen! Ich bestätige hiermit den Empfang Ihres (Deines) Paketes vom 2 x 13., 15.[,] 16.IV. 1944. Eure Pakete sind alle bestens in unserem Besitz. Bleibt nur gesund und seid innigst geküsst. Alice Käte Licht Unterschrift. Quelle: Yad Vashem, Jerusalem







