Alice Licht
gest. 30.10.1986, Israel
Alice Licht, geboren 1916 in Berlin, muss 1933 als Jüdin die Schule ohne Abitur verlassen. Daher kann sie nicht wie geplant Medizin studieren und absolviert stattdessen eine Ausbildung zur Sekretärin. Ab Frühjahr 1941 muss sie schwere Zwangsarbeit leisten. Sie kann ihre Entlassung erreichen, indem sie ein Magengeschwür vortäuscht. Otto Weidt stellt sie im Juni 1941 als Sekretärin ein.
Im Februar 1943 versteckt Otto Weidt Alice Licht sowie ihre Eltern Käthe und Georg Licht in einem Lagerraum in Berlin-Mitte. Als die Blindenwerkstatt im Oktober 1943 verraten wird, nimmt die Gestapo auch Alice Licht fest. Ihre Eltern stellen sich daraufhin der Gestapo. Die Familie wird in das Ghetto Theresienstadt, und sechs Monate später in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Käthe und Georg Licht werden dort ermordet. Alice Licht wird in das Außenlager Christianstadt des KZ Groß-Rosen verlegt. Als das Lager Ende Januar 1945 aufgelöst wird, gelingt Alice Licht auf dem Todesmarsch die Flucht. Sie erlebt das Kriegsende in der Wohnung von Otto und Else Weidt in Berlin. Sie stirbt 1986 in Israel.
Dokumente

Alice Licht an die Gefolgschaft der Blindenwerkstatt Otto Weidt, 15. November 1943Inhalt: Auf der Fahrt nach Theresienstadt verfasst Alice Licht diese Karte an die "Gefolgschaft" Otto Weidt. Vermutlich wirft sie sie aus dem Fenster des Zuges, denn die Deportierten dürfen den Zug nicht verlassen. Die Karte wird gefunden und noch am gleichen Tag im sieben Kilometer vor Theresienstadt liegenden Ort Lobositz gestempelt. Möglicherweise ist Alice Licht überrascht darüber, dass sie in Personenwagen 3. Klasse reisen. Dieser Transport vom 15. November 1943 mit 44 Personen gehört zu den "kleinen" Deportationstransporten, für die die Reichsbahn jeweils ein oder zwei Personenwagen an fahrplanmäßig vom Anhalter Bahnhof abfahrende Züge nach Dresden und Prag ankoppelt. Den in Berlin kursierenden Gerüchten nach soll es im "Altersghetto" Theresienstadt erträglicher sein als anderswo. Doch sie wissen noch nicht, dass auch vom "besseren" Theresienstadt Wege in die Vernichtungslager führen.Umschrift: Meine sehr Lieben! Von einer über allem Erwarten angenehmen Fahrt mit nur 6 Personen im Coupé senden wir Euch ein letztes Lebewohl. Wir sind alle bester Stimmung. Sobald wir können, melden wir uns. Bleibt Ihr vor allen Dingen gesund und macht Euch um uns keine Sorgen. Euch allen allerherzlichste Grüsse und Küsse Eure Ali Besonders herzl. Grüße senden Georg [und] Käthe [geschrieben von Georg Licht] Quelle: Yad Vashem, Jerusalem

Alice Licht an die Gefolgschaft der Blindenwerkstatt Otto Weidt, 15. November 1943Inhalt: Auf der Fahrt nach Theresienstadt verfasst Alice Licht diese Karte an die "Gefolgschaft" Otto Weidt. Vermutlich wirft sie sie aus dem Fenster des Zuges, denn die Deportierten dürfen den Zug nicht verlassen. Die Karte wird gefunden und noch am gleichen Tag im sieben Kilometer vor Theresienstadt liegenden Ort Lobositz gestempelt. Möglicherweise ist Alice Licht überrascht darüber, dass sie in Personenwagen 3. Klasse reisen. Dieser Transport vom 15. November 1943 mit 44 Personen gehört zu den "kleinen" Deportationstransporten, für die die Reichsbahn jeweils ein oder zwei Personenwagen an fahrplanmäßig vom Anhalter Bahnhof abfahrende Züge nach Dresden und Prag ankoppelt. Den in Berlin kursierenden Gerüchten nach soll es im "Altersghetto" Theresienstadt erträglicher sein als anderswo. Doch sie wissen noch nicht, dass auch vom "besseren" Theresienstadt Wege in die Vernichtungslager führen.Umschrift: Meine sehr Lieben! Von einer über allem Erwarten angenehmen Fahrt mit nur 6 Personen im Coupé senden wir Euch ein letztes Lebewohl. Wir sind alle bester Stimmung. Sobald wir können, melden wir uns. Bleibt Ihr vor allen Dingen gesund und macht Euch um uns keine Sorgen. Euch allen allerherzlichste Grüsse und Küsse Eure Ali Besonders herzl. Grüße senden Georg [und] Käthe [geschrieben von Georg Licht] Quelle: Yad Vashem, Jerusalem

Alice Licht an Otto Weidt, 6. Januar 1944Inhalt: Alice Licht bedankt sich mit dieser Bestätigungskarte für vier Päckchen vom 17., 25., 26. und 27. Dezember 1943. Otto Weidt hat selbst an den Weihnachtsfeiertagen 1943 den Weg zu einem der wenigen geöffneten Postämter nicht gescheut. Die regelmäßigen Kontakte nach Theresienstadt, besonders zu Alice Licht, sind ihm offenbar sehr wichtig. Indem sie mit "Alice Käte Licht" unterschreibt schickt sie gleichzeitig Grüße von ihrer Mutter. Diese unzensierte Karte ist am 12. Januar 1944 auf dem Postamt in Bauschowitz gestempelt worden.Umschrift: Theresienstadt, 6. Januar 1944. Teuerste Freunde! Ich bestätige dankend den Empfang Ihres (Deines) Paketes vom 17., 25., 26., 27.XII. 1943. Käte Alice Licht Unterschrift. Quelle: Yad Vashem, Jerusalem

Alice Licht an Otto Weidt, 6. Januar 1944Inhalt: Alice Licht bedankt sich mit dieser Bestätigungskarte für vier Päckchen vom 17., 25., 26. und 27. Dezember 1943. Otto Weidt hat selbst an den Weihnachtsfeiertagen 1943 den Weg zu einem der wenigen geöffneten Postämter nicht gescheut. Die regelmäßigen Kontakte nach Theresienstadt, besonders zu Alice Licht, sind ihm offenbar sehr wichtig. Indem sie mit "Alice Käte Licht" unterschreibt schickt sie gleichzeitig Grüße von ihrer Mutter. Diese unzensierte Karte ist am 12. Januar 1944 auf dem Postamt in Bauschowitz gestempelt worden.Umschrift: Theresienstadt, 6. Januar 1944. Teuerste Freunde! Ich bestätige dankend den Empfang Ihres (Deines) Paketes vom 17., 25., 26., 27.XII. 1943. Käte Alice Licht Unterschrift. Quelle: Yad Vashem, Jerusalem

Alice Licht an Hedwig Porschütz, Blindenwerkstatt, 26. März 1944Inhalt: Seit dem 29. Februar 1944 ist es erlaubt, auf den Paketbestätigungskarten eine kurze handschriftliche Mitteilung über den*die Empfänger*in des Paketes zu äußern und Dank auszusprechen. "Vollinhaltlich" meint, dass bei der Paketkontrolle nichts entnommen worden ist, was angeblich nicht hineingehört. Alice bittet zudem um das richtige Porto von 60 Pfenning, denn dann gelangen die Päckchen schneller an ihre Empfänger*innen. Die frühere Prostituierte und Schwarzmarkthändlerin Hedwig Porschütz gehört zum Helfer*innenkreis um Otto Weidt. Sie ist an vielen Rettungsaktionen beteiligt, bietet Verfolgten Quartier und Verpflegung und vermittelt sie in andere Verstecke, darunter zu ihrer Mutter in Berlin-Schöneberg.Umschrift: Theresienstadt, am 26.III.1944. Liebe Hede Ich bestätige dankend den Empfang Ihres (Deines) Paketes vom 22.II., 23.II., 24.II. 27.II., 9.III., 10.III. 1944 Alle Pakete vollinhaltlich bestens dankend erhalten. Grüße Euch voll unbeschreiblicher Sehnsucht. Frankiert bitte 60 [Pfennig] und vermerkt immer genau Abgangsdatum. Alice Käte Licht Unterschrift. Quelle: Yad Vashem, Jerusalem

Alice Licht an Hedwig Porschütz, Blindenwerkstatt, 26. März 1944Inhalt: Seit dem 29. Februar 1944 ist es erlaubt, auf den Paketbestätigungskarten eine kurze handschriftliche Mitteilung über den*die Empfänger*in des Paketes zu äußern und Dank auszusprechen. "Vollinhaltlich" meint, dass bei der Paketkontrolle nichts entnommen worden ist, was angeblich nicht hineingehört. Alice bittet zudem um das richtige Porto von 60 Pfenning, denn dann gelangen die Päckchen schneller an ihre Empfänger*innen. Die frühere Prostituierte und Schwarzmarkthändlerin Hedwig Porschütz gehört zum Helfer*innenkreis um Otto Weidt. Sie ist an vielen Rettungsaktionen beteiligt, bietet Verfolgten Quartier und Verpflegung und vermittelt sie in andere Verstecke, darunter zu ihrer Mutter in Berlin-Schöneberg.Umschrift: Theresienstadt, am 26.III.1944. Liebe Hede Ich bestätige dankend den Empfang Ihres (Deines) Paketes vom 22.II., 23.II., 24.II. 27.II., 9.III., 10.III. 1944 Alle Pakete vollinhaltlich bestens dankend erhalten. Grüße Euch voll unbeschreiblicher Sehnsucht. Frankiert bitte 60 [Pfennig] und vermerkt immer genau Abgangsdatum. Alice Käte Licht Unterschrift. Quelle: Yad Vashem, Jerusalem

Alice Licht an die Belegschaft der Blindenwerkstatt, 16. Mai 1944Inhalt: Am 15. Mai 1944 werden mehr als 2.500 Menschen von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert, darunter Alice, Georg und Käte Licht sowie Erich und Elsbeth Frey und Alices Freundin Marion Eisenstaedt. Nach bewährter Methode wirft Alice diese Karte wieder aus dem Zug. Sie wird gefunden und am 18. Mai 1944 in Pudlau, Amtsbezirk Oderberg in Oberschlesien, in einen Postkasten geworfen. Erich und Elsbeth Frey werden bald nach der Ankunft in Auschwitz ermordet. Acht Wochen später, am 15. Juli 1944, fallen Alices Eltern Georg und Käte Licht einer Selektion zum Opfer, während Alice Licht und Marion Eisenstaedt am gleichen Tag als "Arbeitsfähige" nach Christianstadt überstellt werden, einem Außenlager des Konzentrationslagers Groß-Rosen. Sie bleiben hier, bis das Lager wegen des Vormarschs der Roten Armee im Januar 1945 aufgelöst wird. Dann gelingt ihnen die Flucht.Umschrift: Finder wird gebeten Karte in Briefkasten zu stecken. Vielen Dank Quelle: Yad Vashem, Jerusalem

Alice Licht an die Belegschaft der Blindenwerkstatt, 16. Mai 1944Inhalt: Am 15. Mai 1944 werden mehr als 2.500 Menschen von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert, darunter Alice, Georg und Käte Licht sowie Erich und Elsbeth Frey und Alices Freundin Marion Eisenstaedt. Nach bewährter Methode wirft Alice diese Karte wieder aus dem Zug. Sie wird gefunden und am 18. Mai 1944 in Pudlau, Amtsbezirk Oderberg in Oberschlesien, in einen Postkasten geworfen. Erich und Elsbeth Frey werden bald nach der Ankunft in Auschwitz ermordet. Acht Wochen später, am 15. Juli 1944, fallen Alices Eltern Georg und Käte Licht einer Selektion zum Opfer, während Alice Licht und Marion Eisenstaedt am gleichen Tag als "Arbeitsfähige" nach Christianstadt überstellt werden, einem Außenlager des Konzentrationslagers Groß-Rosen. Sie bleiben hier, bis das Lager wegen des Vormarschs der Roten Armee im Januar 1945 aufgelöst wird. Dann gelingt ihnen die Flucht.Umschrift: Finder wird gebeten Karte in Briefkasten zu stecken. Vielen Dank Quelle: Yad Vashem, Jerusalem

Alice Licht-Roschwitz an Otto Weidt für Willy Latter, 21. Februar 1944Inhalt: Dem blinden, ehemaligen Konzertpianisten und Musiklehrer Willy Latter wird im November 1942 Arbeit in der Blindenwerkstatt Otto Weidt als Bürstenbinder zugewiesen. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter. Die Ehe mit seiner zum Judentum konvertierten Frau gilt bei den Nationalsozialisten als „Mischehe“. Dieser Status schützt die Familie eine Zeit lang vor der Deportation. Bei Otto Weidt kann er auch dann noch unangemeldet arbeiten, als er sich mit seiner Familie bei verschiedenen Bekannten versteckt hält. Familie Latter überlebt die nationalsozialistische Verfolgung und wandert nach Kriegsende in die USA aus. Willy Latter stirbt 1974 im Alter von 78 Jahren. Wir wissen noch nicht, wer oder was sich hinter dem Namen "Roschwitz" verbirgt, unter dem sich Alice Licht bei Willy Latter bedankt.Umschrift: Theresienstadt, am 21. Februar 1944. Lieber Willy! Ich bestätige dankend den Empfang Ihres (Deines) Paketes vom 1.12., 10.12. + 20.01.1944. Alice Licht-Roschwitz Unterschrift. Quelle: Yad Vashem, Jerusalem

Alice Licht-Roschwitz an Otto Weidt für Willy Latter, 21. Februar 1944Inhalt: Dem blinden, ehemaligen Konzertpianisten und Musiklehrer Willy Latter wird im November 1942 Arbeit in der Blindenwerkstatt Otto Weidt als Bürstenbinder zugewiesen. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter. Die Ehe mit seiner zum Judentum konvertierten Frau gilt bei den Nationalsozialisten als „Mischehe“. Dieser Status schützt die Familie eine Zeit lang vor der Deportation. Bei Otto Weidt kann er auch dann noch unangemeldet arbeiten, als er sich mit seiner Familie bei verschiedenen Bekannten versteckt hält. Familie Latter überlebt die nationalsozialistische Verfolgung und wandert nach Kriegsende in die USA aus. Willy Latter stirbt 1974 im Alter von 78 Jahren. Wir wissen noch nicht, wer oder was sich hinter dem Namen "Roschwitz" verbirgt, unter dem sich Alice Licht bei Willy Latter bedankt.Umschrift: Theresienstadt, am 21. Februar 1944. Lieber Willy! Ich bestätige dankend den Empfang Ihres (Deines) Paketes vom 1.12., 10.12. + 20.01.1944. Alice Licht-Roschwitz Unterschrift. Quelle: Yad Vashem, Jerusalem

Alice Licht geb. Gundermann an Karl Deibel, 18. April 1944Inhalt: Alice Licht fügt im Absender dieser Bestätigungskarte den Geburtsnamen ihrer am 28. Januar 1944 in Theresienstadt verstorbenen Großmutter Regina Gundermann hinzu, und bedankt sich bei Karl Deibel für zwei Päckchen vom 22. März 1944. Der 1897 geborene Werbekaufmann Karl Deibel beginnt 1942, untergetaucht lebende Juden und Jüdinnen und politisch Verfolgte bei sich aufzunehmen. Otto Weidt lernt er spätestens 1943 kennen. Nachdem 1943 und 1944 der Großteil der jüdischen Arbeiter*innen der Blindenwerkstatt deportiert worden ist, arbeitet Karl Deibel im Versand der Blindenwerkstatt mit. Um weitere Menschen beherbergen zu können, vermittelt ihm Otto Weidt seine ehemaligen Werkstatträume in der Kreuzberger Großbeerenstraße 92. Dort versteckt Karl Deibel im Laufe der Zeit mehr als zehn Menschen.Umschrift: Theresienstadt, am 18. April 1944. Teuerste Freunde ich bestätige dankend den Empfang Ihres (Deines) Paketes vom 2 x 22. März 1944. Alice Licht Unterschrift. Quelle: Yad Vashem, Jerusalem

Alice Licht geb. Gundermann an Karl Deibel, 18. April 1944Inhalt: Alice Licht fügt im Absender dieser Bestätigungskarte den Geburtsnamen ihrer am 28. Januar 1944 in Theresienstadt verstorbenen Großmutter Regina Gundermann hinzu, und bedankt sich bei Karl Deibel für zwei Päckchen vom 22. März 1944. Der 1897 geborene Werbekaufmann Karl Deibel beginnt 1942, untergetaucht lebende Juden und Jüdinnen und politisch Verfolgte bei sich aufzunehmen. Otto Weidt lernt er spätestens 1943 kennen. Nachdem 1943 und 1944 der Großteil der jüdischen Arbeiter*innen der Blindenwerkstatt deportiert worden ist, arbeitet Karl Deibel im Versand der Blindenwerkstatt mit. Um weitere Menschen beherbergen zu können, vermittelt ihm Otto Weidt seine ehemaligen Werkstatträume in der Kreuzberger Großbeerenstraße 92. Dort versteckt Karl Deibel im Laufe der Zeit mehr als zehn Menschen.Umschrift: Theresienstadt, am 18. April 1944. Teuerste Freunde ich bestätige dankend den Empfang Ihres (Deines) Paketes vom 2 x 22. März 1944. Alice Licht Unterschrift. Quelle: Yad Vashem, Jerusalem

Alice Licht an Dr. Gustav Held, 28. April 1944Inhalt: Alice Licht nutzt ihre vierteljährliche Schreibberechtigung, um Inge und Gustav Held über das Befinden der Lichts zu informieren. Doch vorrangig gemeint ist Otto Weidt, der sie mit der Wahrheit, vermutlich über seinen Gesundheitszustand, nicht verschonen soll. Sie teilt ihm noch einmal ihre Gefühle für ihn mit, verbunden mit dem Wunsch, nicht vergessen werden zu wollen – als würde sie ahnen, was auf sie zukommt. Der Poststempel trägt das Datum "6.6.44". Als Otto Weidt diese Karte erhält, befindet sich Familie Licht bereits seit drei Wochen in Auschwitz-Birkenau. Otto Weidt hat davon Kenntnis. Er reist nach Auschwitz, um seine Bürstenwaren anzubieten und versucht, Kontakt zu Alice aufzunehmen. Es gelingt ihm nicht.Umschrift: 28. April 1944 Meine Allerbesten! Wie glücklich wir sind, endlich einmal ausführlich von Euch und Eurem Ergehen gehört zu haben, können wir gar nicht beschreiben. Wenn nur alles so bleiben würde, wären wir schon glücklich. Nur gesund wollen wir Euch wissen und nur die Wahrheit wollen wir hören, denn nur so können wir in Gedanken mit Euch leben. Was macht der liebe Gustav und die Oma? Wenn er Vati sehen würde, würde er über sein Meisterwerk staunen, von Ullcus keine Spur mehr. Der Kreis um uns ist trotz der vielen Bekannten klein. Robert hat sich auch hier als guter Freund erwiesen, spricht viel von Dir, Papilein, und Du weißt, was das für mich bedeutet. Überhaupt kannst Du mich überall dort finden, wo eine Verbindung zu Dir besteht. Mein einziges Gebet, bleibt alle nur gesund und vergesst nicht Eure in dankbarer Liebe an Euch denkende Ali Quelle: Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum

Alice Licht an Dr. Gustav Held, 28. April 1944Inhalt: Alice Licht nutzt ihre vierteljährliche Schreibberechtigung, um Inge und Gustav Held über das Befinden der Lichts zu informieren. Doch vorrangig gemeint ist Otto Weidt, der sie mit der Wahrheit, vermutlich über seinen Gesundheitszustand, nicht verschonen soll. Sie teilt ihm noch einmal ihre Gefühle für ihn mit, verbunden mit dem Wunsch, nicht vergessen werden zu wollen – als würde sie ahnen, was auf sie zukommt. Der Poststempel trägt das Datum "6.6.44". Als Otto Weidt diese Karte erhält, befindet sich Familie Licht bereits seit drei Wochen in Auschwitz-Birkenau. Otto Weidt hat davon Kenntnis. Er reist nach Auschwitz, um seine Bürstenwaren anzubieten und versucht, Kontakt zu Alice aufzunehmen. Es gelingt ihm nicht.Umschrift: 28. April 1944 Meine Allerbesten! Wie glücklich wir sind, endlich einmal ausführlich von Euch und Eurem Ergehen gehört zu haben, können wir gar nicht beschreiben. Wenn nur alles so bleiben würde, wären wir schon glücklich. Nur gesund wollen wir Euch wissen und nur die Wahrheit wollen wir hören, denn nur so können wir in Gedanken mit Euch leben. Was macht der liebe Gustav und die Oma? Wenn er Vati sehen würde, würde er über sein Meisterwerk staunen, von Ullcus keine Spur mehr. Der Kreis um uns ist trotz der vielen Bekannten klein. Robert hat sich auch hier als guter Freund erwiesen, spricht viel von Dir, Papilein, und Du weißt, was das für mich bedeutet. Überhaupt kannst Du mich überall dort finden, wo eine Verbindung zu Dir besteht. Mein einziges Gebet, bleibt alle nur gesund und vergesst nicht Eure in dankbarer Liebe an Euch denkende Ali Quelle: Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum







