Jahresübersicht 2017

Wenn Sie regelmäßig zu unseren Veranstaltungen eingeladen werden möchten, nehmen wir Sie gern in den Veranstaltungsverteiler des Museums Blindenwerkstatt Otto Weidt auf. Bitte setzen Sie sich dazu mit uns in Verbindung unter 030/ 28 59 94 07 oder unter info(at)museum-blindenwerkstatt.de

26.04.2017 um 19 Uhr

Filmvorführung "Wiedersehen mit Brundibár" und anschließendes Gespräch mit dem Regisseur Douglas Wolfsperger und der Historikerin Dr. Diana Schulle

Die Oper „Brundibár“ wurde 1941 heimlich im jüdischen Kinderheim Prag uraufgeführt. Ihr Libretto wurde nach Theresienstadt geschmuggelt, wohin ihr Komponist Hans Krása deportiert worden war. „Brundibár“ wurde in Theresienstadt beliebt, machte Kinder zu stolzen Darstellern und dem Publikum Freude und Hoffnung. Die Aufführungen dienten aber auch den Nazis zum Beweis, wie schön das Leben im Ghetto ist – bezeugt vom Roten Kreuz und in Wochenschau-Filmausschnitten. Weder ihr Komponist noch die meisten Kinderdarsteller erlebten das Ende der Nazi-Herrschaft.

Der Dokumentarfilm „Wiedersehen mit Brundibár“ von Douglas Wolfsperger erzählt die Auseinandersetzung einer Jugendtheatergruppe der Berliner Schaubühne mit dem Stück. Für die Heranwachsenden wird die Zeit des Nationalsozialismus über die Begegnung mit Greta Klingsberg, die 55 Mal im Ghetto Theresienstadt die Hauptrolle spielte, und einer gemeinsamen Fahrt in die heutige Gedenkstätte greifbar. Dieser Prozess wird durch den Film  dokumentiert und wirft Fragen über die Zukunft des Gedenkens auf.

Im Anschluss an die Vorführung wird der Regisseur Douglas Wolfsperger im Gespräch mit der Historikerin Dr. Diana Schulle auf die Besonderheiten des Films und der Entstehungsgeschichte eingehen und gern auch Fragen aus dem Publikum beantworten.

Ort: Kino Central, Rosenthaler Str. 39, 2. Hof

27.02.2017 um 16 Uhr

Gedenken an die »Fabrik-Aktion« und den Protest in der Rosenstraße

Am 27. Februar 1943 fand die »Fabrik-Aktion« statt, bei der Tausende Jüdinnen und Juden an ihren Zwangsarbeitsstätten verhaftet und anschließend nach Auschwitz deportiert wurden. In Berlin waren auch viele in sogenannter Mischehe Lebende darunter, die im Sammellager in der Rosenstraße 2-4, dem ehemaligen Wohlfahrtsamt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, interniert wurden. Als ihre Angehörigen, vorwiegend Frauen, erfuhren, wo sie sich befanden, harrten sie tagelang vor dem Gebäude aus - bis zu deren Freilassung.

Programm:
16.00 Uhr Stilles Gedenken am Mahnmal
Große Hamburger Straße
16.25 Uhr Gedenkfeier in der Rosenstraße
17.00 Uhr Zeitzeugengespräch mit Nele Hertling und Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Tiergarten im Instituto Cervantes, Rosenstraße 18

22.02.2017 um 19 Uhr

Vortrag im Rahmen der Sonderausstellung "Verdrängt Verfolgt Vergessen – Berliner Juden im Sport vor und nach 1933" Thema: Eine mutige Frau - Nelly Neppach und Tennis Borussia

Nelly Neppach war Deutsche Tennismeisterin im Dameneinzel von 1925. Auf dem Höhepunkt ihres sportlichen Erfolges bereiste sie Turniere in Frankreich, bei denen sie auf die Weltklasse des weiblichen Tennissports traf. Sie war der erste echte weibliche Sportstar des deutschen Sportbetriebes von internationalem Renommé. Aber sie unternahm die Reise durch Frankreich gegen den erklärten Willen des Deutschen Tennis Bundes (DTB). Und obwohl sie dem DTB schließlich nachgab, die Reise durch das Land des "Erzfeindes" und sich auf den Heimweg machte, empfing sie Zuhause in Berlin eine Erklärung des DTB, die sie fortan vom Sportbetreib ausschloss. Die Erklärung war durchzogen von antisemitischen Untertönen.

Ausgehend von Nellys Geschichte und exemplarisch an ihrem Verein Tennis Borussia zeichnet der Vortragende Jan Buschbom die Bedingungen für jüdischen Sportlerinnen und Sportler im bürgerlichen Sportbetrieb der Weimarer Republik nach.

27.01.2017 um 15 Uhr

Gedenkveranstaltung des Fördervereins für die ermordeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Blindenwerkstatt Otto Weidt in der ehemaligen Jüdischen Blindenanstalt in Berlin-Steglitz

Auch in diesem Jahr wollen wir zum des Holocaust-Gedenktages der ermordeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Blindenwerkstatt Otto Weidt gedenken und gemeinsam mit Ihnen am Gedenkstein vor der ehemaligen Jüdischen Blindenanstalt in Berlin-Steglitz Blumen niederlegen.

Programm:
• Begrüßung durch André Schmitz, Vorsitzender des Fördervereins „Blindes Vertrauen e.V.“
• Einleitung durch Inge Deutschkron, Ehrenvorsitzende des Fördervereins
• Lesung durch Nina Lorck-Schierning aus dem Buch „Das verlorene Glück des Leo H.“
• Das Programm wird musikalisch begleitet von Adrian Liebermann am Saxophon
• Blumenniederlegung am Gedenkstein

Ort: Ehemalige Jüdische Blindenanstalt, Wrangelstraße 6, Berlin-Steglitz

19.01.2017 um 19 Uhr

Podiumsgespräch und Katalogpräsentation im Rahmen der Sonderausstellung "Verdrängt Verfolgt Vergessen - Berliner Juden im Sport vor und nach 1933" Thema: Warum jüdischer Sport?

Im modernen Sport unterliegen alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer gleichen Regeln und gemeinsamen Schiedsgerichten, sportliche Wettkampfergebnisse sollen weltweit vergleichbar sein. Neben dem Leistungs- und Wettkampfgedanken besitzt Sport so auch ein egalitäres Moment. Sein Gleichheitsversprechen scheint gut zur modernen, demokratischen Gesellschaft gleichberechtigter Bürger zu passen.Warum also sollten Jüdinnen und Juden in eigenen Organisationen Sport treiben?

Dabei umfasst Sport im weiteren Sinne auch seine Organisationsformen, Vereine und Verbände, dazu seine Fangemeinde und seine kommerzielle Verwertung. Sport ist also nicht nur Sache der Sporttreibenden und Fans, sondern auch eine Angelegenheit von allgemeiner gesellschaftspolitischer Relevanz. Unterschiedliche Interessen, politische Positionen und Loyalitäten und damit auch politische Konflikte gehören daher zur deutschen Sportgeschichte, in der sich die gleichen Probleme wie in die deutsche Geschichte überhaupt eingegraben haben, wie nicht zuletzt unsere Ausstellung „Verdrängt Verfolgt Vergessen“ zeigt.

In einem Podiumsgespräch stellen der Sportler Leonard Kaminski von TuS Makkabi Berlin, der Historiker Ralf Schäfer und der Journalist Martin Krauss aktuelle und historische Betrachtungen zum jüdischen Sport in Deutschland an.