Jahresübersicht 2014

Wenn Sie regelmäßig zu unseren Veranstaltungen eingeladen werden möchten, nehmen wir Sie gern in den Veranstaltungsverteiler des Museums Blindenwerkstatt Otto Weidt auf. Bitte setzen Sie sich dazu mit uns in Verbindung unter 030/ 28 59 94 07 oder unter info(at)museum-blindenwerkstatt.de

19.11.2014 um 19 Uhr

Werner Scholem (1895-1940)

Wie aus der Zeit gefallen erinnert am Eingang der Rosenthaler Straße 38, direkt neben dem Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt, eine Gedenktafel aus DDR-Zeiten an die Zentrale der Kommunistischen Partei Deutschlands, die sich bis 1926 hier befand. Wenig bekannt ist, dass sich auch dahinter ein Stück jüdisches Leben in Berlin verbirgt: hier wirkte von 1921-1925 Werner Scholem als Organisationsleiter der KPD. Aus bürgerlich-assimilierter Familie stammend hatte Scholem sich schon 1912 der Sozialdemokratie zugewandt, radikalisierte sich im Weltkrieg und wurde 1920 Mitglied der KPD, die er im Preußischen Landtag und im Reichstag vertrat. Während sein Bruder Gershom (Gerhard) Scholem schon 1923 nach Jerusalem auswanderte und dort einer der bekanntesten Gelehrten der Judaistik wurde, hoffte Werner auf eine revolutionäre Wende in Deutschland. Doch als Jude und Kommunist entsprach er dem Feindbild der völkischen Rechten, wurde sogar auf der Bühne des Parlaments antisemitisch angegriffen. Scholem beugte sich jedoch nicht und kämpfte gegen den Anstieg des Antisemitismus - so setzte er sich etwa energisch für die Rechte ostjüdischer Einwanderer ein.

Werner Scholem blieb auch in der KPD unbeugsam, widersetzte sich der Politik Stalins und wurde 1926 aus der Partei ausgeschlossen. 1933 wurde er festgenommen und im Juli 1940 im KZ Buchenwald ermordet.

In einem kurzen Dokumentarfilm von Niels Bolbrinker und einem Referat des Historikers Ralf Hoffrogge (Autor von "Werner Scholem - Eine politische Biographie, Konstanz 2014) wird die Biographie von Werner Scholem vorgestellt.

15.10.2014 um 12 Uhr

»... abgeholt!« Gedenken an den Beginn der nationalsozialistischen Deportationen von Juden aus Berlin vor 73 Jahren

Die Ständige Konferenz der Leiter der NS-Gedenkorte im Berliner Raum, der Berliner Senat, die Jüdische Gemeinde zu Berlin und die Deutsche Bahn laden Sie und Ihre Freunde herzlich zur Gedenkveranstaltung am Denkmal "Gleis 17" am Mittwoch, den 15. Oktober, um 12 Uhr ein.

Begrüßung: Prof. Dr. Andreas Nachama, Direktor der Stiftung Topographie des Terrors
Grußworte: Prof. Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien und Rabbiner Daniel Alter, Jüdische Gemeinde zu Berlin
Gedenkrede: Margot Friedländer (*1921) lebte bis zu ihrer Verschleppung nach Theresienstadt 1944 im Untergrund in Berlin

Beiträge von Berliner Schülern des Europäischen Gymnasiums Berta-von-Suttner zu recherchierten Biografien von Deportierten
Musikalische Umrahmung durch den Trompeter Felix Mehlinger

Am Ende der Veranstaltung werden weiße Rosen am Bahnsteig niedergelegt.

01.10.2014 um 19 Uhr

Elisabeth Hofacker: Menschen auf dem Prüfstand. Eine Berliner Familie im Widerstand gegen die Judenverfolgung

Elisabeth Hofacker (1928-1988) wuchs im Bayerischen Viertel in Berlin-Schöneberg auf, wo ihre Eltern, Wilhelm und Luise Teske, eine Schuhmacherwerkstatt betrieben. Sie gehörten der „Christlichen Versammlung“ an, einer evangelischen Glaubensgemein-schaft, die sich nach ihrem Verbot durch die Nationalsozialisten 1937 im „Bund freikirchlicher Christen“ organisierte. In ihrem Buch schildert die Verfasserin, wie ihre Familie als gläubige Christen auch nach 1933 zu ihren jüdischen Kunden und Freunden hielt und sie trotz des Risikos auf vielfältige Weise unterstützte. Luise und Wilhelm Teske wurden nach dem Krieg für ihre Hilfe mehrfach (postum) geehrt, unter anderem 2009 durch die israelische Gedenkstätte Yad Vashem.

Die Herausgeberin Dr. Claudia Schoppmann stellt das Buch, das 2013 im Metropol Verlag erschienen ist, vor.

Moderation: Barbara Schieb

22.07.2014 um 10 Uhr und 13.30 Uhr

Bürstenbastelworkshops

In Kooperation mit dem Jugendkulturservice Berlin finden auch in diesem Jahr zwei Workshops für Kinder ab 10 Jahren statt. Nach einer Führung durch das Museum stellen die Kinder unter Anleitung des Bürstenmachers Volker Schröder ihren eigenen Handfeger her.

25.06.2014 um 19 Uhr

Zeitzeugengespräch mit Simon Malkès aus Paris und Lesung aus seinen Erinnerungen

Simon Malkès wird 1927 als Sohn jüdischer Eltern in Wilna geboren. Im September 1941, zwei Monate nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht, wird die Familie mit allen jüdischen Einwohnern der Stadt im Ghetto Wilna eingeschlossen. Der 14-jährige Simon und sein Vater Abram Malkes leisten als Elektriker in Reparaturwerkstätten der Wehrmacht Zwangsarbeit. Sie erleben, wie immer mehr Ghettoinsassen im Wald von Ponary ermordet werden. Ihnen bleibt dieses Schicksal erspart, da der Leiter des „Heereskraftfahrparks“, Major Karl Plagge, seine schützende Hand über „seine“ Juden hält.

Simon Malkès spricht über die Zeit im Ghetto, die dramatischen letzten Tage vor der Befreiung und über seine Nachkriegsodyssee von Vilnius nach Lodz, München und Paris, wo er seit 1952 lebt. Seit 2000 beteiligt es sich an der Suche nach dem „Gerechten“ aus der Wehrmacht.

Anlass seines Besuchs in Berlin ist die Veröffentlichung seiner Erinnerungen: Simon Malkès, Der Gerechte aus der Wehrmacht. Das Überleben der Familie Malkes in Wilna und die Suche nach Karl Plagge

Aus dem Französischen übersetzt und herausgegeben von Beate Kosmala, Publikation der Gedenkstätte Stille Helden, Bd. 4

Moderation: Dr. Beate Kosmala, Gedenkstätte Stille Helden

21.05.2014 um 19 Uhr

Buchvorstellung mit Franz Michalski: "Als die Gestapo an der Haustür klingelte... Eine Familie in ‚Mischehe‘ und ihre Helfer"

Franz Michalski schrieb in den 1990er Jahren die Geschichte seiner katholisch-jüdischen Familie aus Breslau auf, die während der NS-Zeit verfolgt wurde. Die Eltern flüchteten mit ihren Söhnen Franz und Peter in den Untergrund. Der Autor berichtet vom Mut seines Vaters und dem der anderen Helfer, die 2013 als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt wurden.

Die Gedenkstätte Stille Helden veröffentlichte im letzten Jahr diese Aufzeichnungen als Dritten Band ihrer Schriftreihe.

An diesem Abend berichten Franz und Peter Michalski von ihrem Überleben, der Enkel Isaiah Michalski liest ausgewählte Passagen des Buches.

Moderation: Barbara Schieb, Gedenkstätte Stille Helden

27.02.2014 um 16 Uhr

Gedenken an die "Fabrik-Aktion" und den Protest in der Rosenstraße

Aus Anlass des 71. Jahrestages des Rosenstraßen-Protestes möchten wir Sie um 16 Uhr zu einem Stillen Gedenken am Mahnmal Große Hamburger Straße einladen. Um 16.30 Uhr findet die Gedenkfeier am Denkmal in der Rosenstraße statt. Ab 17.15 Uhr wird es ein Zeitzeugengespräch mit Horst Selbiger im Instituto Cervantes in der Rosenstraße 18 geben.

29.01.2014 um 15 Uhr

Gedenkveranstaltung des Fördervereins für die ermordeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Blindenwerkstatt Otto Weidt in der ehemaligen Jüdischen Blindenanstalt in Berlin-Steglitz

Anlässlich des Holocaust-Gedenktages wollen wir, wie in den vergangenen Jahren, unserer ermordeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Blindenwerkstatt Otto Weidt gedenken und gemeinsam mit Ihnen am Gedenkstein vor der ehemaligen Jüdischen Blindenanstalt in Steglitz Blumen niederlegen.

Programm:
·  Begrüßung durch Inge Deutschkron, Vorsitzende des Fördervereins „Blindes Vertrauen e.V.“
·  Lesung "Die Mundharmonika"aus dem Buch "Daffke, die vier Leben der Inge Deutschkron", dazu spielt Marko Jovanovic auf der Mundharmonika
·  Blumenniederlegung am Gedenkstein

Ort: Ehemalige Jüdische Blindenanstalt, Wrangelstraße 6, Berlin-Steglitz